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Umwelt: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit – Die wichtigsten Labels

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Katrin
Katrin
8 min


Nicht erst seit Greta Thunberg und der Fridays-for-Future-Bewegung wissen wir: Das Thema Umweltschutz wird immer dringlicher. Auch die Modebranche steht auf dem Prüfstand. Viele Konsumenten möchten Verantwortung für unseren blauen Planeten übernehmen und beginnen, ihr Kaufverhalten achtsamer zu gestalten. Eine wachsende Zahl von Kunden achtet beim Kauf von Kleidung auf Bio-Qualitäten und faire Produktion. Hinter dem Slogan "Who made my Clothes?" steht das neu erwachte Interesse an der Herkunft der Textilien. Die Fülle der verschiedenen Labels und Zertifikate kann allerdings zur Verwirrung führen. Was genau verbirgt sich hinter den einzelnen Siegeln und welche Auswirkungen haben sie tatsächlich auf uns, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt? Wir haben Ihnen hier eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Nachhaltigkeitslabels der Textilbranche zusammengestellt.

Global Organic Textile Standard (GOTS)


Der Global Organic Textile Standard gehört zu den bekanntesten Öko-Siegeln für Textilien. Der anspruchsvolle Standard kennzeichnet sozial verträglich produzierte und umweltfreundliche Bio-Kleidung. GOTS überwacht die gesamte Textil-Produktion vom Rohstoff-Anbau bis zum Endprodukt und beinhaltet auch soziale Mindeststandards. Produkte mit dem GOTS Siegel müssen mindestens zu 70 Prozent aus biologischen Naturfasern bestehen. Strenger ist die GOTS Kennzeichnung mit dem Zusatz "Bio": Hierfür sind 95 Prozent erforderlich.

Welche Vorteile bietet der GOTS Standard?

Vom GOTS Standard profitieren Mensch und Umwelt: Wenn die Baumwollbauern biologische Dünger verwenden und auf gefährliche Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten, schützen sie damit nicht nur die Erde, sondern auch die eigene Gesundheit. Der GOTS Standard verbessert langfristig das Leben der Bauern durch existenzsichernde Löhne. Da GOTS giftige Entlaubungsmittel  nicht gestattet, muss die Bio-Baumwolle von Hand gepflückt werden. Davon profitieren auch die Endverbraucher: Handgepflückte Baumwolle ist nämlich besonders hochwertig.

Abgrenzung zu anderen Labels

GOTS ist ein strenger und weltweit anerkannter Standard, der sowohl biologische als auch soziale Aspekte beinhaltet. Es gibt bereits eine große Produktpalette von Textilien, die ein GOTS Siegel tragen. Dazu gehören T-Shirts, Pullover und Jeans.

People for the Ethical Treatment of Animals (PETA)


PETA ist eine Tierrechtsorganisation. Der Verein macht die Öffentlichkeit mit spektakulären Aktionen und medienrelevanten Mitteln auf Tiermissbrauch aufmerksam und übt Druck auf die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik aus. Pelz, Leder, Wolle und Daunen sind Produkte tierischen Ursprungs, die häufig in der Modeindustrie verwendet werden. Das PETA Logo kennzeichnet vegane Modeartikel, die ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen.

Welche Vorteile bietet das PETA Siegel?

Lebewesen sind nicht dazu geschaffen, an ihnen zu experimentieren oder sie in einer anderen Form auszubeuten. PETA hat das Ziel, Tiere vor dieser Qual zu bewahren. Kunden können sich mit gutem Gewissen für Produkte aus veganem Leder oder Steppjacken mit Polyester- statt Daunenfüllung entscheiden.

Abgrenzung zu anderen Labels

PETA konzentriert sich auf das Engagement für eine vegane Lebensweise und gegen das Tierleid. Der Verein verfolgt damit keine biologischen, sondern rein ethische Ziele.

Fairtrade


Das Fairtrade Siegel kennzeichnet Produkte, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung auf soziale, ökologische und ökonomische Kriterien geachtet wurde. Im Modebereich betrifft dies hauptsächlich fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle. Fairtrade entwickelt mit Handelspartnern demokratische Organisationsstrukturen, Massnahmen zum Umweltschutz und sorgt für eine sichere Arbeitsumgebung. Die verabredeten Schritte werden konsequent verfolgt.

Welche Vorteile bietet Fairtrade?

Das langfristige Ziel von Fairtrade ist die Existenzsicherung der Kleinbauern. Sie sollen faire Löhne erhalten, um besser von ihrer Arbeit leben zu können. Auch die Kinder der Baumwoll-Farmer profitieren: Die Fairtrade Organisation unterstützt den Bau von Schulen und Kinderarbeit ist nicht zugelassen.

Abgrenzung zu anderen Labels

Fairtrade fördert zwar den Anbau von Bio-Baumwolle, ist aber im Kern ein soziales Siegel. Fairtrade Produkte tragen also nicht automatisch auch ein Bio-Label.

Fairwear


Die Fair Wear Foundation ist eine Initiative aus allen Bereichen der Textilbranche, die sich für sichere und faire Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion einsetzt. Dazu gehören existenzsichernde Löhne, angemessene Arbeitszeiten und rechtlich bindende Arbeitsverträge. Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Diskriminierung sollen verhindert werden. Die formulierten Richtlinien werden regelmässig kontrolliert und transparent kommuniziert.

Welche Vorteile bietet die Fair Wear Foundation?

Ziel der Organisation ist es, die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter*innen in den sogenannten Billiglohnländern kontinuierlich zu verbessern.

Abgrenzung zu anderen Labels

Die Fair Wear Foundation setzt sich für faire Sozialstandards ein. Das Label steht nicht für Produkte aus biologischem Anbau.

Better Cotton Initiative (BCI)


Die Better Cotton Initiative möchte mit einem ganzheitlichen Ansatz die nachhaltige Produktion von Baumwolle kontinuierlich fördern. Dazu gehören Schulungen der Farmer zur Verbesserung des Baumwollanbaus, zur effizienten Nutzung von Wasser und zur Reduzierung schädlicher Chemikalien. BCI verfolgt das Ziel, den Anteil nachhaltiger Baumwolle an der weltweiten Baumwollproduktion zu steigern.

Welche Vorteile bietet BCI?

Das BCI Training verbessert die Lebensgrundlage der Baumwollfarmer und ihrer Familien. Gleichzeitig profitiert die Umwelt: durch gezielte Maßnahmen zu nachhaltiger Bewirtschaftung, Bodenschutz, Pestizideinsatz und Wasserverbrauch.

Abgrenzung zu anderen Labels

BCI Baumwolle ist nicht bio, wird aber nach anspruchsvolleren Kriterien produziert als konventionelle Baumwolle.  BCI zertifiziert ausserdem die Endprodukte nicht wie zum Beispiel GOTS.

Bio Baumwolle (Organic Cotton)

Anders als konventionelle Baumwolle wird Bio Baumwolle (oder englisch Organic Cotton) nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert. Dabei verzichtet man auf genmanipuliertes Saatgut, synthetische Pflanzenschutzmittel, Entlaubungsmittel und Kunstdünger. Der Anbau wird idealerweise durch unabhängige Stellen kontrolliert und durch Zertifizierer bestätigt. GOTS zum Beispiel zertifiziert nicht nur den Anbau von Bio Baumwolle, sondern ausserdem noch die gesamte Lieferkette.

Welche Vorteile bietet Bio Baumwolle?

Der Anbau und die Verarbeitung von Bio Baumwolle wirkt sich positiv auf die Umwelt, die Baumwollbauern und den Endkunden aus. Die strengen Kriterien für den kontrolliert biologischen Anbau (k.b.A.) schonen nämlich nicht nur die Böden, sondern auch die Gesundheit der Farmer und ihrer Familien, die auf den Feldern arbeiten. Übrigens ist handgepflückte Baumwolle ein Qualitätsmerkmal, das sich bis zum Endprodukt durchsetzt.

Abgrenzung zu anderen Labels

Der Begriff Bio-Baumwolle ist zunächst nicht geschützt. Wer sicher sein möchte, achtet auf die Auszeichnung "aus kontrolliertem Anbau" durch seriöse Zertifizierer wie OCS 100 oder GOTS.

Recycelte Materialien (Reused Fabrics)

Werden Abfallprodukte zu neuen Erzeugnissen verarbeitet, entstehen recycelte Materialien. Ob recycelte PET-Flaschen oder Reste von Jeansstoffen: In der Textilproduktion finden sie eine neue Verwendung. Der Global Recycled Standard (GRS) will die Recycling Abläufe transparent machen. Die zertifizierten Produkte müssen mindestens 20 Prozent recycelte Materialien enthalten.  Zusätzlich zertifiziert GRS  die ganze Lieferkette, gibt Vorgaben für das Umweltmanagement und limitiert chemischen Zusatzstoffe.

Welche Vorteile bieten recycelte Materialien?

Was nicht als Abfall zurückbleibt, sondern recycelt wird, belastet  die Umwelt weniger und schont die Ressourcen unseres blauen Planeten.

Abgrenzung zu anderen Labels

Der Begriff recycelte Materialien ist zunächst kein geschützter Begriff. Zertifizierer wie GRS Standard sorgen für transparente Abläufe im Recycling Prozess. Produkte mit dem GRS Label sind aber nicht zwangsläufig aus biologischen Rohstoffen.

Der Autor
Wer hinter diesem Beitrag steckt
Jeans begeistern und begleiten mich schon lange, darum schreibe ich immer mal wieder einen Artikel.
Katrin Fuchs
Manager Buying Services
 

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