Header Image - Kabinengeflüster

Kabinengeflüster

Wie ich neulich so traurig über den Februar sinnierte, und einige Selbstmitleids-Tränen vergoss, kam mir plötzlich die rettende Idee, wie ich mich aus meinem Tief befreien kann. Shopping! Denn, was anderes macht Frau, wenn sie mit dem Wetter, der Stimmung – ja mit der Gesamtsituation unzufrieden ist? EINKAUFEN. Kapitalistisch, aber wahr.

Ich schnappe mir also sämtliche Kredit- und Bankkarten, krame nach Bargeld in meinen Taschen, und zieh mir meine bequemsten Schuhe an. Shoppen ist Sport!

Ab an die Bahnhofstrasse, wo man Geld schneller ausgeben,- als Kreditkartenlimit sagen kann. Das wird ein Riesen Spass!

Meine erste Station, ein weltweit bekanntes Modegeschäft. Farben brauch ich, Farben um den Winter-Blues zu vertreiben. Systematisch kämme ich mich durch den Laden, rotes T-Shirt, rosa Jeans, jep kommt gut…Schal..wie wär´s mit einem farbigen Schal? Ich greife nach einem beigen Exemplar. Eindeutig zu langweilig, ich brauche ein Statement! „Frühling!“, soll der schreien, der Schal. „Wo finde ich mehr davon?“, frage ich die junge Mitarbeiterin, die mir entgegen kommt. Gelangweilt blickt sie mich an, dreht sich um, und schreit quer durch den Laden: „Tanjaaaaaaaa! Wo sind die Schäler??“ Sympathische Person. Trotz ihrer beherzten Hilfe, finde ich schlussendlich keinen Schal, und auch sonst stehen mir die farbigen Klamotten eher..mässig. Aus Trotz kaufe ich mir Unterwäsche und Socken.

Zweite Station, ein schweizweit bekanntes Warenhaus. Leider kommt mir die fatale Idee, Parfums auszuprobieren. Schlimmer Fehler! Nach 13 verschiedenen Düften stinkend (diese Probe Streifen sind einfach zu schmal!) und mit Übelkeit kämpfend, erreiche ich die Kleiderabteilung. Ich trödle, nach Poison, Downtown Eau, und Femme Fatale riechend durch den Laden. Also irgendwie, ist das alles nix…Farben? Fehlanzeige. Stattdessen leuchten mir die Pailletten auf den Weihnachts-, und Winteroutfits entgegen. Und die 70% Schildchen, die daran hängen.

Ein Lichtblick bietet einzig und allein eine wunderschöne blaue Jeans, die ich mir, zusammen mit ein paar heruntergesetzten Kaschmir Pullovern, schnappe und in Richtung Kabine trage. Eine freundliche junge Mitarbeiterin lächelt mich an, begrüsst mich und weist mit der Hand in eine freie Kabine. Eine Kollegin scheint hinzugekommen zu sein, denn während ich mich umziehe unterhalten sich die beiden.

„Ey schwööööör sie hend ihre kündt man, ohni Scheiss!“ Die Zweite scheint nicht überrascht: „Ja eh ey sie isch sone Bitsch imfall ich sägs der bi dere muesch ufpasse!“

„Weisch letscht Mal ich so da am stah und eifach mit Natel ide Hand und sie lauft so verbi – sie hett nüt gseit imfall NÜT!“

„Schoo, krass man ich ha..“

„Ich weiss au nöd wieso imfall, aber irgendwie bi mir seit sie nüt!“

Die Jeans passt nicht. Aber ich finds grad gemütlich hier. Ich muss mich ein bisschen ausruhen. Und ich finde das wirklich auch krass, dass die Chefin der kleinen süssen Mitarbeiterin einfach nichts sagt, wenn sie….„EIN Wort imfall, sie sött mer ein Wort säge, ohni Scheiss!“ Gelächter.

Nun gut, Zeit zu gehen, ich öffne den Vorhang, die zwei Plaudertäschchen unterbrechen ihr Gelächter und blicken mich lächelnd an. „Hat etwas gepasst?“, fragt die Zweite mich freundlich.

„Ja das.“, lüge ich, lege den Rest auf die Theke und verdufte.

Es reicht, ich habe genug. Ich wollte alles neu, und in Farbe und habe nun: Socken, Unterwäsche, ein übles Gemisch aus Düften und die Information, dass mit Chefin X der Kleiderabteilung aus Warenhaus Y, nicht gut Kirschen essen ist. Ist doch auch schon was. Ich hol mir jetzt noch eine Bratwurst. Und das nächste Mal shoppe ich online.

Weitersagen
Erzählen Sie Ihren Freunden und Ihrem sozialen Netzwerk, was Sie auf JEANS.CH finden.