Die Qual der Zahl

Mein Bus kommt – jetzt aber! Eingestiegen und losgezählt! Eins, zwei, drei, vier, fünf…ich setze mich zuhinterst hin, von dort aus habe ich alles im Blick – sechs, sieben, acht…
Ich sehe: Enge Jeans, ausgeleierte Jeans, Used-Look Jeans, zu lange Jeans – die Jeans steigen aus, es kommen Neue hinzu. Siebzehn, achtzehn, neunzehn, Lindenplatz. Halt! Dieser Typ da in der grauen Arbeiterhose…gilt das jetzt als Jeans oder nicht? Verfluchte Kurzsichtigkeit!
Weg ist er, und eine Horde neuer Passagiere steigt ein. Dick eingemummelt und mit voll gepackten Migros Tüten verteilen sie sich im Bus. Viel zu viele sind das, ich bin überfordert! Ich blicke über ein Meer aus schwarzen und grauen Winterjacken, dicken Strickschals und Wollmützen. Also so kann ich doch nicht arbeiten Leute!

Ein dick eingepacktes Baby schaut mir mit grossen Augen entgegen. Ich setze mein liebstes Lächeln auf. Sein Gesicht verzerrt sich, und es fängt an zu weinen. Also wirklich. Ja, du sagst es kleines Baby, das Leben ist nicht einfach.
Wo war ich? Siebenundzwanzig? Viel wichtiger noch, wie komme ich an der nächsten Haltestelle wieder raus aus dem Bus? Ich bin komplett zugeparkt!
Es hilft nichts, die Drängel-Taktik ist angesagt. „Tschuldigung, excüsi, ups sorry, mässi, däfi schnäll, danke.“ Vorbei an der Kinderwagenfront? Nope – andere Seite.
Tüffenwies. Ich quetsche mich raus. Und tschüss! Der Jeans Bus fährt davon. Die eisige Kälte nimmt mich gnadenlos in Empfang.

Was bleibt ist Ernüchterung. Das war ja vielleicht mal eine blöde Idee…Jeans zählen…völlig witzlos das Ganze…Grummelnd mache ich mich auf, zu der Haltestelle des 17er Trams. Echt originell Angie, Resssspekt! Truly historical Journalism, würde die CNN jetzt sagen…m-hm.
An der Haltestelle angelangt, das gleiche Bild: Jeans, Jeans, nichts als Jeans! Einige Modelle lassen mich, genau wie die Kälte, schaudern. Vielleicht, sollte ich das nächste Mal nur die mies sitzenden Jeans zählen? Oder aber nur die Menschen, die keine Jeans tragen. Das wären dann wahrscheinlich vier. Oder fünf. Viel einfacher.

Trotzdem, also abgesehen davon, dass dies wohl nicht meine brillianteste Stunde war, ist die Erkenntnis des Tages doch erstaunlich. Jeans sind überall! Sie sind gar nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag! Geschlecht und Alter spielen dabei offensichtlich keine Rolle. Es ist wohl das beliebteste Kleidungsstück der Zürcher, der Schweizer, der Menschen?
Faszinierend…der 17er kommt. Ich steige ein, und setze mich neben eine hübsche, junge Frau in – Jupe. Die Rebellin.

So es ist kurz vor 17 Uhr, Arbeitsbeginn für mich. Also aussteigen, ein wichtiges Gesicht machen, Badge montieren. Obwohl…ein paar Minuten habe ich noch…Was tun? Jeans zählen? Nope. Eine rauchen.

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