Header Image - Von der Schule bis zur Rente stets in der Levi’s 501

Von der Schule bis zur Rente stets in der Levi’s 501

Nein, für die ganz Kleinen gab es in meiner Generation vermutlich noch keine Baby- oder Kinderkleidung im Jeans-Look. Und wenn doch, dann hatten meine Eltern in der Provinz, in der ich aufwuchs, keine Ahnung davon – oder kein Geschäft in Reichweite, in dem es das gab. Bewusst wahrgenommen habe ich mich als Jeans-Träger erstmals wahrscheinlich als Halbwüchsiger, doch seitdem begleitet mich die Levi’s 501 fast ununterbrochen durch das Leben.


Natürlich gab es in meinem Kleiderschrank neben der Jeans sowie den dazu passenden T-Shirts, Turnschuhen und Parka stets auch andere Sachen zum Anziehen. Vornehmlich Judo-Anzüge, weil ich diesem Sport lange und intensiv die Treue gehalten habe. Doch es hingen dort auch dunkelblaue Anzüge, weisse Oberhemden, Krawatten und auf dem Boden standen schwarze Halbschuhe. Letztere spürten gelegentlich sogar Schuhcreme und -bürste. Klar, schliesslich gab es auch Familien- und Abiturfeiern, der Hochschulabschluss wollte zunächst stilvoll gestaltet sein, bevor es in lockerer Kleidung zur abendlichen Party ging. Doch wohin auch immer das Leben mich trug, eines fehlte seit dem Ende der Kindheit nie mehr: die Levi’s 501. Sie hing während der Militärzeit im Spind neben der Uniform und wenn ich sie anzog, bedeutete das: Dienstschluss. Die Jeans schmückte den Kleiderschrank in studentischen Wohngemeinschaften. Sie gehörte zum Kampfanzug bei Demonstrationen. Sie hing in den Redaktionsräumen und wartete auf mich, wenn ich von wichtigen Terminen kam, für die Anzug mit Oberhemd und Krawatte Pflicht waren. War ich nicht als Repräsentant der Zeitung in der Außendarstellung gefragt, schrieben meine Verleger keinen Dress Code vor. Inzwischen hing die Jeans auch in der Lehrerumkleide der Schulturnhalle, als es mich spät in den studierten Beruf verschlug.

Der Jeanskauf wurde zwischenzeitlich zum Kult: Sage mir, wo du deine Levi’s kaufst – und ich sage dir, wer du bist! Natürlich musste es der kleine, dunkle Laden in der unscheinbaren Nebenstrasse sein, betrieben von einem ewigen Studenten im 40. Semester. Verpönt war der Einkauf in den lichtdurchfluteten, gestylten Einkaufstempeln der City. Dort aber gab es das Jackett, das unverändert  gerne  zur schicken Jeans getragen wird – wenn es nicht gerade zum Empfang beim Bundespräsidenten geht. Doch in Künstlerkreisen bildet die Levi’s mit Jackett und Designerhemd immer noch die passenden Abendgarderobe für einen festlichen Anlass. Inzwischen bevorzuge ich die dunkelblaue Variante meiner Levi’s 501, auch schwarze  hängen daneben im Schrank. Die dunklen Farben kombiniere ich gerne mit weissen Hemden und ziehe auch mal einen schicken Pullover darüber. Die Jeans aber kaufe ich immer noch in dem dunklen, kleinen Laden an der Nebenstrasse. Besitzer und Personal wechselten dort schon häufiger – die Stammkunden nicht.

Meine aktuelle Levi’s besitzt die Masse W33/L32, die Bundweite ist nicht schlecht für jemanden, der bald schon 60 wird, oder? Wenn ich in einigen Jahren meinen Rentenantrag einreiche, werde ich wahrscheinlich in einer Jeans zum zuständigen Amt radeln. Und auch der möglicherweise noch nötige Wechsel in ein Altersheim wird mich in einer Levi’s 501 einziehen sehen. Vielleicht sollte ich im Testament noch die Frage nachreichen: Darf man in einer Jeans beerdigt werden? Falls ja: Ich möchte das!

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