Header Image - Schwesternabend

Schwesternabend

Es fing eigentlich ganz harmlos an, liebe Leser, ein gemütlicher Abend mit meiner Schwester war der Plan. Grund dafür, war eine uralte Flasche Apfelschnaps, die wir vor Jahren einmal zusammen, aus unerklärlichen Gründen erworben hatten, und bis heute aber nie getrunken hatten. Meine Schwester hat die Flasche brav aufbewahrt, doch nun stand der mittlerweile dritte Wohnungswechsel an, und sie weigerte sich, die olle Flasche noch einmal umzusiedeln. Da blieb nur eins, wir mussten uns treffen und den Apfelschnaps eliminieren.

Bei ihr im Treppenhaus angekommen, fiel mir plötzlich ein, dass ich gar nicht wusste in welchem Stock sie wohnte! Bis anhin, bin ich immer mit ihr zusammen „hoch“ gegangen und dies noch gar nicht so oft…Jedenfalls, das Gebäude hat 15 Stockwerke, ich stieg in den Lift und drückte mutig den 7. Stock – ihre Lieblingszahl. Ich hatte erwartet, dass sie an der Türe stehen und mich dann schon höre würde, wenn ich komme. „Huuhuuuuuu?…“, rief ich beim aussteigen, um mich bemerkbar zu machen. Keine Schwester. Dafür aber eine alte Frau mit Hund, die mir entgegenkommt und mich fragend anschaut. Der siebte Stock war es nicht, auch der achte und der neunte nicht. Im 10. angekommen und freudig von der Schwester begrüsst, machten wir uns umgehend an die Arbeit. Der Schnaps schmeckte pur irgendwie eklig, der Hersteller empfahl den Genuss des Getränks entweder „on the rocks“, oder mit „prickelndem Mineralwasser“. Aus Mangel an Mineralwasser, entschieden wir uns für prickelnden Sekt zum mischen. Flexibilität ist Alles.

Das Schöne an Wohnungswechseln ist, dass man ausmistet. Nicht nur alte Schnapsflaschen, nein auch sämtliche Kleiderschränke wurden von meiner Schwester auf Aktualität und Notwendigkeit geprüft. Und wenn meine Schwester ausmistet – oder umgekehrt, dann habe ich, oder sie jeweils die Ehre, noch in den ausgemisteten Sachen zu stöbern, und das eine oder andere abzustauben, bevor es endgültig entsorgt wird. Auch diesmal, hatte meine Schwester, drei volle Kleidersäcke für mich bereitgestellt. Sie führte vor, warb für die Qualitäten einzelner Taschen oder Blusen, zwei drei Shirts hatte ich mir schon zur Seite gelegt, bis sie SIE auspackte! DIE JEANS DES BEGEHRENS!

Schon immer wollte ich sie haben, diese Jeans, die sie jetzt wehmütig in die Hand nahm, schon immer, genau diese! Jahrelang habe ich nach dieser Jeans gesucht, die meine Schwester damals „irgendwo aus Paris“ mitbrachte, – ohne Erfolg. „Und jetzt will sie sie weggeben, jetzt ist sie mein!“, dachte ich mir freudig, der Prickelschnaps schmeckte gleich viel besser.

Diese Jeans ist nämlich etwas ganz Besonderes, mit vielen kleinen Details, zwei drei Glitzersteinen, eng anliegend und- wichtig: Nie habe ich eine zweite Person in Zürich in diesen Jeans gesehen! Ich streckte also schon die Hände aus, doch meine Schwester, überrascht ab meiner irren Freude, zögerte.

„…meine aaarmen Jeans…!“. Blick zu mir.

„Gib sie mir! Los! Her damit!“

Meine Schwester umklammert die Jeans.

„Du willst sie nicht mehr, gib sie mir! Gib sie her! Gib!“

Meine Schwester versucht sich abzusichern. „Schau die ist doch hier ein bisschen kaputt, die kann man doch gar nicht mehr tragen!…Würdest du die so noch tragen?“

Strategiewechsel. „Ähmm. Nein du hast Recht. Die kann man nicht mehr tragen. Das wäre echt peinlich. No-Go. Gibsiemir.“

Es war zu spät. Meine Schwester war der Melancholie verfallen. Sie erzählte von ihrer besonderen Beziehung zu dieser Jeans, und dass sie es nicht ertragen könne, wenn sie mich eines Tages unverhofft in eben dieser Jeans sähe, nein das wäre zu viel, sagte sie. Kurz: Sie war noch nicht bereit für die endgültige Trennung.

Es blieb mir nichts anderes als aufzugeben. Ich hatte noch nicht genug Prickelgemisch getrunken, um ihr die Jeans einfach aus der Hand zu reissen und damit unterzutauchen. Meine Zeit war noch nicht gekommen. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, liebe Leser. Mein allerliebstes Schwesterlein, magst du es dir nicht noch mal überlegen? Diese Jeans….GIB SIE MIR!

Weitersagen
Erzählen Sie Ihren Freunden und Ihrem sozialen Netzwerk, was Sie auf JEANS.CH finden.