Wo Wurst drin steckt, kommt Wurst raus

Wir hatten also unsere Bratwürste erstanden und uns auf ein kaltes Mäuerchen gesetzt, wo wir unsere Haut zusammenzogen und mit den Zähnen klapperten, als wir in die Wurst (ich) und das staubige Riesenbürli (Fäbs) bissen. Wir sassen auf einem Mäuerchen, das den Klosterbezirk gegen die Gallusstrasse begrenzt und von dem aus es sich wunderbar auf die Klientel der Chocolaterie glotzen lässt, die ihrerseits zurückglotzt. Aber nur, wenn sie bei schönem Wetter vor dem Lokal sitzt. Und heute war es ja kalt und diesig. Trotzdem warf sich uns schräg vis-à-vis ein Haufen Halbwüchsiger aus einer der umliegenden Schulen auf eine Bank. Auch sie Würste, dazu – zugegebenermassen – zwei Kebab, und alle mit zerschlissenen Jeans.
„Ob Jeans heutzutage schneller kaputt gehen als früher?“, fragte ich Fäbs.
„Weiss nicht“, sagte Fäbs einsilbig. „Sieht jetzt fast so aus. Oder ist das einfach wieder Mode?“
„Das Gewebe soll grundsolide sein. Sagt jedenfalls meine Mutter.“ Ich fand Gefallen an dem Thema.
„Deine Mutter?“
„Ja. Sie hat eine Geschichte auf Lager, und die geht so: Es waren einmal die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort wurden Eisenbahnenschienen unvorstellbaren Ausmasses quer über den ganzen Kontinent verlegt. Von der Ost- zur Westküste, von Nord nach Süd. Das war natürlich eine riesen Arbeit, dazu anstrengend ohne Ende. Die Männer und ihre Klamotten mussten was aushalten. Verstehst Du, Fäbs?“
Fäbs nickt kauend und rollte mit den Augen. Sie wartete auf die Pointe.
Ich fuhr fort: „Deshalb machten sich die gewieftesten Köpfe des Landes daran, das robusteste Textil aller Zeiten zu entwickeln. Was ihnen natürlich gelang, denn die USA waren schon damals das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Meinst Du, das stimmt?“
„Quatsch“, sagte Fäbs, knüllte ihr leeres Wurstpapier zusammen und deutete auf den Reissverschluss ihrer Jeans, der sich an dessen linken Seite über ihrer Bauchspeckrolle löste. „Nennst Du so was solide?“
„Wo soviel Wurst drin ist, kommt Wurst raus, das kann natürlich keine Jeans aushalten“, sagte ich.
Ohne zu lachen, entgegnete Fäbs: „Dann geht’s mir mit dir so wie meiner Jeans mit mir: Das ist ja nicht zum Aushalten. Spar dir deine Jeans-Weisheiten für andere.“

Das werde ich tun: Bis zum nächsten Mal finde ich heraus, ob an der familienintern überlieferten Geschichte etwas dran ist. Möge mein nächster Bericht Hell ins jeansblaue Dunkel bringen!

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